Roman
aus dem Armenischen von Samvel Ovasapian.
2011, 200 Seiten.
Paperback. € 16,90 (D)
ISBN 978-3-86320-011-4
Der Roman «Der Rückzug ohne Lied» erzählt die fesselnde Liebesgeschichte eines aus Konstantinopel stammenden Armeniers, der im Paris der 20er Jahre Zuflucht fand. Der Roman schockierte viele Leser der damaligen Zeit wegen seiner offen erotischen Sprache und der als Beleidigung empfundenen, die armenischen Parteien und Geistlichen kritisierenden Passagen. Der Autor wurde in den armenischen Medien angeprangert, aufgebrachte junge Armenier griffen ihn sogar tätlich an. Die folgenden Auflagen wurden zensiert, auch die 1982 zum ersten Mal in Sowjet-Armenien erschienene Ausgabe. Die vorliegende erste deutsche Übersetzung basiert auf der unzensierten und damit vollständigen Fassung.
Samvel Ovasapian,
Übersetzer
Schahnurs Werk ist ein erstklassiges Phänomen in der armenischen Literatur des Zwanzigsten Jahrhunderts, ist reich für Untersuchungen, ist brisant, aktuell, lebhaft und tiefsinnig. Es erhöht einzigartig das historische, komplizierte, widersprüchliche Dasein des armenischen Volkes. Schahnurs Werke konnten nicht ohne Resonanz bleiben, sie haben Gedanken angeregt und werden sie weiterhin anregen. Für einen begabten Schriftsteller war der Verfasser von «Der Rückzug» sehr jung, erst vierundzwanzig, fünfundzwanzig Jahre alt, aber die Geschichte der Kunst hat so manches Paradoxon: Der so junge Autor verfasste ein Meisterwerk, fehlerlos in jeder Hinsicht, in ungewöhnlicher Reife, unglaublicher kultureller und Lebenserfahrung. Der Roman ist unter außergewöhnlichen Bedingungen entstanden: ein armenischer Roman in französischer Realität.
Stepan Toptschian,
Literaturwissenschaftler
Leseprobe | Rückzug ohne Lied (256.3 kB)
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Schahnur Kerestedschian wurde am 3. August 1903 in Skutari (türkisch: Üsküdar, armenisches Viertel im asiatischen Teil von Istanbul) geboren. Bis zum 13. Lebensjahr besuchte er die Semerdschian-Schule in Skutari, dann das Berberian-Gymnasium. Schahan Berberian war der Schuldirektor, dessen Vornamen er für sein literarisches Pseudonym wählte. 1921 beendete er die Schule und gewann den ersten Berberian-Preis für Poesie. In Folge der bekannten Ereignissen musste er 1923 mit vielen Armeniern Konstantinopel (Istanbul) verlassen und nach Paris emigrieren. Selbstverständlich beschäftigte er sich in dieser Zeit mit Literatur und unterhielt auch Kontakt zu armenischen und französischen Intellektuellen.